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Im Internet tauchte eine Seite auf, die den Spielern von World of Warcraft die Möglichkeit gab ein Bild von sich unter ihrem Server zu speichern. Die Seite hieß xchar und zeigte dass die Nachtelfe Risingsun von der Allianz eine Frau war. Diese Frau fing an meiner Kriegerin Noxis auf dem Schlachtfeld Küsse zu zuwerfen.

Es entstand eine ganz neue Dimension des Spiels. Noxis war gerade auf dem Weg zu Rang 14, dem Titel des Obersten Kriegsfürsten des Servers. Diesen Titel erhielt der Spiele, der die meiste Ehre auf dem Server sammelte, für einige Wochen. Ich stand morgens auf und begann PvP zu spielen bis ich nachts irgendwann nach dem letzten Spiel schlafen ging.

Claudia war in der Uni und nach einiger Zeit entstand ein direkterer Kontakt zur Nachtelfe Risingsun. Ihr richtiger Name sei Rita, verriert mir die siebenunddreißigjährige Industriekauffrau aus Rheine. Sie arbeitet bei einer Firma die Sonnengarten heißt und Gartenmöbel herstellt und vertreibt. Sie hat sich vor kurzem von ihrer Lebenspartnerin getrennt.

Die Romanze die sich entwickelte war etwas spezielles und hatte eine Dynamik die mehr mit der Spielwelt verbunden war als mit der Realität der betreffenden Personen.

In der Spielwelt war ich kurzzeitig berühmt für meine Schlägertruppe aus Schamanen und Druiden mit denen ich auf den Schlachtfeldern Spiel um Spiel gewann.

Die Gruppe wurde morgens aufgestellt, begann die Spiele, zwischendurch sind Spieler gewechselt und ich organisierte das ganze über den Tag. Nebenher chattete ich mit Sun. Nach einiger Zeit telefonierten wir auch.

Ich hatte gemischte Gefühle bei der Sache, einerseits entstand ein faszinierender Austausch der meine Seele betraf, andererseits bemerkte ich dass diese Rita eine neue Partnerin suchte und mich diesbezüglich überprüfte, mir sogar ganz direkte Fragen stellte mit denen sie sicher gehen wollte dass ihre Ansprüche erfüllt werden wenn es um Haushalt und Banalitäten ging.

Rita erzählte mir, dass sie mit Anfang Zwanzig schonmal verheiratet war mit einem Michael der Profifußballer war, doch dann verliebte sie sich in eine Frau, trennte sich von ihm aber die Frau wollte nichts von ihr wissen. Sie gab mir Leben als „Spielerfrau“ auf wie sie sagte um auf sich allein gestellt weiterzuleben. Zudem war sie sogar bei den Zeugen Jehovas und bekam Schwierigkeiten aufgrund ihrer gewechselten Gesinnung.

Dann hatte sie eine Partnerin gefunden, die mit ihr in ein teueres Einfamilienhaus zur Miete gezogen ist. Diese hat sie dann als sie von der Arbeit kam mit einem Mann auf dem Sofa erwischt und daraufhin geschah die Trennung. Rita musste die hohe monatliche Miete dann allein aufbringen.

Als ich den Rang 14 endlich erreicht hatte war dies sehr ernüchternd und die besonderen Waffen auf die man so lange gespielt hat waren schon nach  einer Woche wegen eines Updates des gesamten Spieles gar nicht mehr das Beste was man haben konnte.

Als ich im September 2006 zum ersten Treffen mit Rita fuhr war ich so nervös wie noch nie vor einem Date. Mir war irgendwie klar dass dieses Szenario eine weitere Rollenspielerfahrung ist doch ich ging mit der Intension bei diesem Kontakt etwas wesentliches zu verbinden, denn meine Seele sprach wieder mit mir und sprach soviel über das Leben und die Geschichten, die so spannend da draußen warten während in meinem Zimmer eigentlich nichts geschieht ausser das bedauern der tragischen Umstände.

Rita plante sich mit mir in einem Hotel zu treffen. Ich fand es einerseits höchst skuril dass sich eine erwachsene Frau die schon auf die Vierzig zu geht mit 22-jährigen trifft aber ich fand die Geschichte deshalb auch sehr spannend. Ich konnte mir nicht vorstellen wie diese Situationen tatsächlich ablaufen sollten aber ich war bereit in die Situation zu gehen.

So nahm ich eines Tages eine Mitfahrgelegenheit von Berlin nach Rheine, ertrug mich mit anderen seltsamen Menschen in einem Auto und lies mich vor der Stadthalle in Rheine absetzen.

Rita holte mich dort ab. Als ein schwarzer Audi vorfuhr und in kurzer Entfernung hielt sah ich wie eine Frau wie aus dem Film Matrix vom Auto auf die Dunkelheit der Straße trat. Sie trug eine Sonnenbrille.

Ich saß auf Steinen und rauchte einen Joint zur Entspannung doch dieser führte wahrscheinlich nur zu mehr Aufregung. Rita fuhr mit mir in das Hotel und im Zimmer setzte ich mich auf das Fensterbrett am offenen Fenster um weiter zu rauchen.

Rita erzählte mehr von sich während ich ungläubig in meiner Situation verharrte und die Realität um mich herum bestaunte, die ich kaum fassen konnte. Es war das spießigste Hotelzimmer, im spießigsten Hotel in dem ich je gewesen bin und ich fand es vollkommen wundersam und mysteriös wie ich dort hingeraten konnte.

Sehr wahrscheinlich war ich nach kurzer Zeit betrunken und die Gespräche die stattfanden waren eigentlich interessanter als das was danach geschah. Aber ich fand es irgendwie cool mich in einer Situation zu befinden die mir derartig absurd erschien dass es schon wieder sehr real war.

Am nächsten Morgen nahm mich Rita dann mit zu sich nach Hause. Ihre Ex-Partnerin war gerade nicht in der Stadt und so zeigte sie mir die Wohnung in der sie lebten. Die Wohnung war überwiegend gelb und blau und auf dem Boden waren überall Fliesen. Eigentlich gefiel mir das alles gar nicht aber Ritas Interesse an mir schmeichelte mir auch wenn ich fühlte, dass ich nicht wirklich war was sie in mir sehen wollte. Aber ich wollte es ihr schenken, ich fand ihre Geschichte bewegend und sie machte den deutlichen Eindruck im Grunde eine sehr gute Seele zu sein, also wollte ich dieser geben was sie sich wünscht..

Zurück in Berlin wusste Fuxi dass ich bei dieser Rita war aber das Gespräch über unsere Trennung fand erst anfang Oktober statt. Wir waren beide in Frieden mit der Situation, irgendwie verbunden im Gefühl dass der Weg für uns nicht weiter geht. Das Zusammenleben funktionierte trotzdem realtiv friedlich und harmonisch.

Unser zweites Treffen fand zwischen Weihnachten und Silvester in Bad Bentheim statt. Rita wollte mit mir in ein Ferienhaus welches sie dort gemietet hat. Mich faszinierte die Gegen mit den Häusern aus roten Steinen. Die Gegend wirkte auch sehr interessant auf mich, es schien mir alles viel interessanter als in Rheine zu sein. Vorallem als wir an einem Friedhof vorbei gingen auf dem Weg zum griechischen Restaurant.

Dort schon angetrunken tranken wir im Ferienhaus noch Weinbrand und Cola als mir Rita aus ihrer dunkleren Vergangenheit erzählte. Dieser Ort muss sie getriggert haben denn in Bad Bentheim gab es ein großes Casino. Sie sprach über Spielsucht und darüber dass sie viele Jahre gespielt hat. Sie wusste bereits von mir, dass mein Vater Spieler war. Mich schockierte die Geschichte ein wenig, andererseits war mir klar, dass dies ein karmischer Schicksalsschlag war. Ich wusste nur noch nicht genau was das alles bedeutet.

Doch meinem Herzen wurde irgendwie schleierhaft sonnenklar dass diese Gegend so ein Ort ist wie ich ihn in vielen Visionen sah, zwischen grünen Feldern und Wiesen, Wäldern, Flüssen und Sehen, irgendwie so viel friedlicher und natürlicher als in Berlin, wie es schien.

Ich machte in Berlin noch meinen Führerschein. Es wurde noch ein Sparkonto aufgelöst und es schien wohl wichtig zu sein, dass ich auch Auto fahren kann. Nach dem ersten gescheiterten Versuch wollte ich es nun schaffen, für die Theorie lernte ich mit einer CD am Computer und bestand die Prüfung fast fehlerfrei die praktischen Fahrstunden waren allerdings ein Horrortrip. Ich spürte meinen Körper als das eine fremde Fahrzeug und die Hülle aus Metall auf Rädern um mich herum als das Fahrzeug meines Fahrzeugs. Am Steuer fühlte ich mich schlicht überfordert und es fühlte sich schon wie eine Herausforderung an im Auto einfach nur zu rollen.

So geschah es dass ich am Tag der praktischen Prüfung trotz Bachblütenbonbons die ich zur Beruhigung während der Fahrt brauchte, ich etwas tat was dazu führte dass ich die Prüfung nicht bestand. Und dies entsprach offensichtlich meinem Gefühl dass es nicht sein könne dass die mir den Lappen einfach geben obwohl ich gar nicht fahren kann.

Ich wurde zu einer gelb blinkenden Ampel geführt und fuhr einfach los ohne mich der Regeln zu vergewissern und zu warten. Es war ein Scheitern nachdem ich mich auf den kalten Boden der Tatsachen geworfen und überfahren fühlte. Zudem schaffte ich es nicht am Erste Hilfe Kurs teilzunehmen der für die Prüfung erforderlich war. Als ich vor dem Gebäude stand und mir vorstellte da jetzt reingehen zu müssen in einen Raum voller fremder Menschen die mich mit blinden Augen ansehen entschied ich mich wieder nach Hause zu gehen. Ich schaffte den Kurs dann erst nachdem mich Fuxi begleitet hat.

Die zweite Prüfung ist besser gelaufen, so dass ich das benötigte Dokument erhielt den Führerschein zu erhalten.

Am Tag als ich nach Rheine fuhr um längere Zeit dort zu bleiben holte ich den Führerschein noch ab, enttäuscht über das Gefühl nun endlich diesen Ausweis zu haben mit denen ich Autos fahren darf, doch traurig mit dem demütigenden Abbild meiner Personalien.

Ich blieb einige Wochen in Rheine bei Rita und den Katzen bis Fuxi mir die Sachen und den Hund brachte und noch freundschaftlich bei uns blieb. Ich begann schnell Fuxi zu vermissen, ich fühlte mich schon wieder genau so wie damals mit Anita und Julia, da waren zwei Frauen die mir beide nicht das geben konnten was ich wirklich suchte und brauchte doch ich hatte mich längst zwischen ihnen verirrt.

Die anfänglich Euphorie bezüglich Rheine und das neue Leben in einer fremden Stadt ist schnell verflogen. Ich sah wie die Menschen auf der Straße überwiegend in beige gekleidet waren und zumeist grau erschienen. Das ganze Leben in dieser Stadt schien im Vergleich zu Berlin um einige Dimensionen verblasst zu sein. Es war wie die Reise in eine ganz andere Zeit. Die bunten Vögel von den Straßen verwandelten sich in Anzugträger und Rollwagen schiebende Rentner.

Mit Rita in der Öffentlichkeit zu sein wurde zunehmend unangenehm für mich. Zuerst versuchte ich es cool zu finden mich so gut wie möglich als die jüngere Geliebte darzustellen doch das empfinden dieser Realitätsversion wurde immer gruseliger. Zu allem Übel wurde Rita immer öfter für meine Mutter gehalten.

Doch wenn ich die Geliebte spielen musste sollte Rita den Mann spielen. Als ich erfur dass Ritas Zweitname Henriette ist, begann ich sie Henrie zu nennen und als Mann zu sehen und zu behandeln. Dieses Spiel machte ich auf die gleiche Weise wie zuvor mit Fuxi. Ich spielte die Frau und machte die Frau zum Mann, erklären konnte ich es nicht aber es zeigte schon deutlich dass mit meinem Bild etwas erheblich nicht stimmt.

Die Zeit bei Rita begann ich mit einem silbernen Notebook dass ich mir gekauft habe um bei ihr World of Warcraft spielen zu können und dies tat ich dann auch. Ich spielte weiterhin und an meinem Tagesablauf hat sich nicht viel verändert. Kurz bevor Rita von der Arbeit kam begann ich hektisch mit dem Aufräumen und Staubsaugen. Die beiden Katzen akzeptierten den kleinen Hund und mussten ihm ob sie es wollten oder nicht immer wieder den Platz auf der Fensterbank überlassen. Dort konnte der Hund die ganze Straße überblicken und blickte wachsam auf wenn ein Auto kam.

Ein Auto sollte ich nach einiger Zeit auch bekommen um mich unabhängiger und freier fühlen zu können und so machten wir uns auf die Suche nach einem Kleinwagen. Nach verschiedenen allesamt skurilen Probefahrten fuhren wir nach Münster um dort einen metallic grünen Ford Ka für etwa Eintausend Euro zu kaufen.

Der Wagen hatte einen Unfall und eine kaputte Tür die dann noch ersetzt wurde, aber das Fahrzeug wurde angemeldet und ich bekam das Kennzeichen ST-JC 1111 und war stolz auf mein erstes Auto.

Doch schon zu Beginn meiner Ankunft in Rheine zeigten sich die Probleme im Umgang mit der Sexualität die nicht war wonach es aussah oder ein groteskes Schauspiel mit künstlichem Gestöhne darstellte. Meinen Kopf war mehr als durcheinander von heterosexuellen Fantasien aber den ernüchternden Begebenheiten, eine ältere Frau die jetzt meinen Penis lutscht, der für sie eine Klitoris ist. Es war ein Teufelskreis und es blieb nicht aus, dass mich die

Als die Erweiterung Wrath of the Lichking für unser Spiel rauskam standen wir mit einigen Hundert anderen Menschen um Mitternacht bei Media Markt in der Schlange und warteten um so schnell wie möglich das neue Spiel zu kaufen, an der Kasse zu bezahlen. Dann hieß es nur noch schnellstmöglich nach Hause kommen, die Installation starten und die neue Spielwelt zu entdecken.

Ich war froh so etwas mal live gesehen zu haben aber mir war klar, dass es so etwas nicht mehr lange geben würde. Insgesamt sah ich mich mehr und mehr auf einer Zeitreise durch eine Zeit die eigentlich nur ein Sprung in eine andere Zeit ist.

Doch die Zeit die nun kam bestand nicht nur aus Rollenspielen, Rita half mir den Weg in die Schuldnerberatung zu finden, wo meiner Person dann erklärt wurde dass ich nur alle offenen Rechnungen einreichen müsse und sieben Jahre später schuldenfrei bin.

Schulden und Schuldgefühle belasteten meine Existenz sehr aber nun fühlte es sich etwas erleichternd an zu wissen, dass die aufgetürmte Last auch wieder von meinen Schultern genommen werden kann und es einen Ausweg gibt. Oft dachte ich, ich müsse mich umbringen weil ich die Schulden die entstanden sind nicht begleichen kann oder ich würde ins Gefängnis kommen weil ich nicht auf die gelben Briefe reagiere doch nun schien es einfach okay zu sein Schulden zu haben die man gerade nicht zurückzahlen kann.

Rita war der erste Mensch den ich kannte, der ein Smartphone besaß. Das erste Apple 3G musste sie unbedingt haben. Wir teilten das Interesse für technische Neuheiten.

Irgendwann fing Rita an mir zu sagen, dass ich doch etwas für mich tun sollte, etwas berufliches, etwas was mich weiter bringt. Sie sagte ich sei doch eine hübsche junge Frau der die ganze Welt offen steht – und in mir brach eine Welt zusammen. Ich fühlte mich bedroht von der bloßen Vorstellung. Sie versuchte herauszufinden was ich vielleicht gerne tun würde, sie wusste um das Projekt mit den Tieren und meinen Bezug zu diesen und schlug vor mich in den Tierarztpraxen der Stadt zu bewerben. Es war mir unmittelbar ein Graus an die Atmosphäte in Tierarztpraxen zu denken die mir wenn ich dort war überhaupt nicht gefiel doch ich wollte guten Willen zeigen und verschickte Bewerbungen um eine Ausbildung als Tierarzthelfer/in.

Mitten im August 2008 rief mich dann ein Dr. Ringenberg an und sagte mir, dass er wieder einen Ausbildungsplatz zu vergeben hat da die letzte Auszubildende abgesprungen sei. Ich bekam das Gefühl dies sei eine für mich vorgesehene Chance und ging zum Vorstellungsgespräch. Als ich den Ausbildungsvertrag bekam freute ich mich und hielt mein erbärmliches Leben für einen Moment für gerettet. Das erste was ich Tat war einen Döner zu essen zur Feier meiner geretteten Existenz.

Doch dies war nur der Anfang einer weiteren Elendsgeschichte. Ich quälte mich früh am Morgen in herbstlicher Kälte in die Praxis um dort mit Blutenden Organen vor einer aufgeschnittenen Katze zu stehen die gerade sterilisiert wird.

Ich verhielt mich ausflüchtend und beklemmt, in welcher Situation auch immer denn so war ich eben in dieser Situation, vielmehr überfordert mit allem in mir und um mich herum als dass ich irgendetwas hätte leisten können.

Zu all dem beinhaltete die Ausbildung auch wieder einen schulischen Teil und es öffneten sich erneut die selben Tore zur Hölle der Einschulung die irgendwie genau so immer wieder und wieder stattfand und mit jedem Mal wurde ich blasser und leiser und etwas qualvoller verstummte meine Stimme die doch eigentlich soviel sagen wollte.

Das Leben erstickte mich weil es immer und überall Erwartungen an mich stellte die ich nicht ansatzweise erfüllen konnte. Die Lehrinhalte der schulischen Ausbildung waren nicht sehr schwer und ich bemühte mich gut in der Schule zu sein. Doch die Gegenwart der Mitschülerinnen brachte mich nur noch mehr durcheinander als ich ohnehin schon war.

Neben mir saß ein blondes Mädchen, ihr Name war Katrin und ich fand sie sehr hübsch. Sie erzählte mir dass sie einen Freund habe und ich behauptete das hätte ich auch. In wirklichkeit wünschte ich mir, ich könnte ihr Freund sein und müsste über mein Leben nicht lügen aber ich musste es und wurde mit dem Gefühl konfrontiert dass es wahrlich so war.

Ich konnte mir nicht erklären weshalb ich die Wahrheit nicht so gesagt habe, wie sie nach aussen hin doch am wahrsten gewesen wäre. Doch die Wahrheit, ich sei eine junge Frau die mit einer älteren Frau zusammen ist existierte in mir genauso wenig wie die Wahrheit dass ich eine junge Frau bin die mit einer älteren Frau zusammen ist die eigentlich ein Mann ist.

In der Tierarztpraxis arbeiteten zwei Mädchen die sehr verschieden waren, die eine hatte kurze Haare und die anderen lange – von beiden hielt ich Abstand und tat intuitiv nur das Gegenteil von dem was wahrscheinlich erwartet war indem ich versuchte den Anderen aus dem Weg zu gehen.

Ich vermied alles und konzentrierte mich lediglich darauf die Aufgaben auszuführen mit denen ich beauftragt wurde. Jedes Mal wenn ich die Tür des Sprechzimmers öffnete um die nächsten Leute herein zurufen öffnete sich eine weitere Version des immer selben Geschehens und Befindens.

Ich fühlte mich in einer noch etwas bedrohlicheren Lage als die Tiere selbst aber sollte Ruhe und Wachsamkeit ausstrahlen. Dies fiel mir nicht nur sehr schwer, es war schlicht unmöglich.

Ich dachte es sei normal, dass man sich in der ersten Zeit so fühlt und es nur daran liegt das alles so neu ist, ich dachte dies sei die Chance meines Lebens und ich müsse einfach durchhalten, ich wollte durchhalten. Doch dieses Durchhalten war nicht von mir verlangt und auch nicht von der Praxis verlangt – so erhielt ich einen Tag vor Silvester, fünf Minuten vor Feierabend ein Papier auf dem stand dass die Praxis das Ausbildungsverhältnis mit mir ab sofort beendet.

Und die Situation wurde so inszeniert, dass ich das Schreiben schon vorher am Computer im Raum geöffnet sah – dort war ein Dokument auf dem meine Anschrift stand und ich lief noch einige Minuten mit der Frage im Kopf herum, was dies nun war bis mir Dr. Ringenberg den Brief übergab.

Ich reagierte schockiert und überhaupt nicht so als hätte ich dies kommen sehen. Vielleicht hatte er erwartet ich würde es einsichtig und vorbereitet aufnehmen doch ich reagierte wütend und vorwurfsvoll. Ich fragte plötzlich warum man nicht darüber sprechen könne aber er vermittelte mir deutlich dass es einfach nichts mehr zu besprechen gab und er hatte ganz gewiss dabei recht auch wenn ich dies in dem Moment nicht einsah weil ich es nicht einsehen wollte.

In meinen Augen hatte ich mich gänzlich aufgeopfert um diesen Job zu machen und tat mein Bestes um dies gut zu machen. Doch mein Bestes war autmatisch alles andere als gut.

Ich war verzweifelt, fiel in ein tiefes Loch, noch tiefer als je zuvor als mir klar wurde, dass ich nicht ich selbst sein konnte aber auch nicht nicht ich selbst.

Es schien mir als würde es keine Lösung mehr für mein Leben geben die irgendeinen Sinn machte also dachte ich darüber nach ein Kind zu bekommen. Ernsthaft beschäftigte ich mich mit dem Gedanken über künstliche Befruchtung schwanger zu werden um mein Leben einem anderen Menschen zu schenken. Doch im realistischen Kontakt mit so einem potenzielen Spender merkte dieser glücklicherweise dass bei mir und meiner Geschichte einiges nicht stimmt und noch lange nicht erwachsen genug ist überhaupt über ein Kind nach zu denken.

Und wieder wusste ich tief in mir dass der junge Mann recht mit seinem Eindruck hatte und immer öfter beschlich mich das Gefühl in einer Riesengroßen Selbstverarsche zu leben. Immer öfter fragte ich mich „wen willst du hier eigentlich verarschen, du machst dir doch nur selbst was vor“ und diese Stimme in meinem Kopf war lautlos aber deutlich und klar und ich wusste, sie hatte absolut recht.

In mir dämmerte das Licht einer evolutionären Kraft und ich sah das Leben an sich als verkanntes Genie in Nebel verhüllt und verschleiert. Ich fühlte den Auftrag in meinem Leben und der ganzen Geschichte zu durchschauen was hinter allem steckt aber fühlte mich gleichzeitig vom Leben aus- und eingesperrt.

Rita vermittelte mir einen Termin bei ihrem Psychologen, einem alten Prozessor mit dem sie in regelmäßigen Abständen seit Jahren über sich und ihre Probleme mit dem Leben und der Spielsucht sprach. Es sei eine Verhaltenstherapie in der man lernt besser mit dem Leben an sich umzugehen. Ich wollte herausfinden ob es etwas bringen könnte dies nochmal zu versuchen.

Also saß ich vor diesem Professor und berichtete ihm von den Spielwelten in denen ich lebe. Und den damit verbundenen Teufelskreis weil das was ich in der einen Welt erreichte der anderen schadete und andersrum.

Ich sagte ihm auch, dass ich das Gefühl habe, beide Welten wären nur Spielwelten, wobei mir dann die von World of Warcraft besser gefiel als die vermeintliche Realität und ich es vorzog mich dort aufzuhalten.

Weiterhin sollte ich für mich in Erfahrung bringen, was ich mit meinem Leben noch anfangen will. Eines Tages fuhren wir im Auto herum als mir klar wurde, dass ich immer nur Zuhause arbeiten wollte und sollte. Es war damals ein Wunsch den ich nicht für möglich hielt, ich sah mit meinem Lebenslauf und den schlechten Zeugnissen nicht die Möglichkeiten eine Ausbildung anzufangen die ich wirklich machen möchte aber mir wurde klar, dass ich dennoch alles lernen könnte was ich können möchte.

Ich fokussierte mich darauf zu lernen wie man Internetseiten macht und mit den Programmen eines Mediengestalters arbeitet. Ich brachte mir die Software bei um damit umsetzen zu können was ich vor Augen hatte oder zumindest sowas ähnliches.

Rita hatte Kontakte zum städtischen Musikverein der Stadt dessen Chor eine Internetseite hatte die sehr sehr schlecht aussah. Also wurde vorgeschlagen dass ich die Seite erneuern könnte, wobei es kaum möglich sein würde die Umsetzung noch schlechter zu machen.

Ich wagte mich an das Projekt wenn auch ich schon in der Aufgabe der Logoumsetzung scheiterte so dass meine Vorschäge gar nicht geeignet waren und eine andere Person mit der Entwicklung eines einfachen bis langweiligen Logos beauftragt wurde.

So kam ich langsam zur Einsicht dass ich mehr lernen und Erfahrungen sammeln müsste wenn es darum ging proffessionell erscheinenden Arbeiten abzuliefern.

Eines Sonntags hielt ich die Kleinanzeigenzeitung der Stadt etwas erstaunter in den Händen als sonst. Unter dem Pseudonym „druck66“ suchte eine Werbeagentur nach Praktikanten.

Das städtische JobCenter begann bereits damit mir Druck zu machen bezüglich meines beruflichen Werdegangs und nun konnte ich sagen, dass ich ein Praktikum machen wollte und einen Platz dafür suche. Rita fuhr mich zum Gespräch. Wir hielten auf einem Parkplatz zwischen einem Supermarkt und einem Kiosk. Mittendrin befand sich hinter gläsernen Wänden eine mit Plakaten dekorierte Werbeagentur die aus genau einem Mann hinter seinem Schreibtisch bestand. Plötzlich saß ich vor einem jungen Mann im Anzug der dort in seinem Chefsessel auf dicke Hose machte als Soloselbständiger der sich bvivor & partner nannte, Bvivor sei sein Kunstwort aus Business und Survivor. Die Konstellation verriet wahrscheinlich sehr viel über den Überlebenskampf den auch dieser Mann zu führen hatte.

Rechts in der Ecke hinter der Klotür stand noch ein Schreibtisch mit einem weiteren Arbeitsplatz der anscheinend nur den Anschein machen sollte als würde dort nochjemand arbeiten.

Ich ahnte bereits, dies könnte vorrübergehend mein Arbeitsplatz sein. Ich erzählte Carsten dass ich mir die Programme beibringe und so viel wie möglich in kurzer Zeit lernen möchte, nach einigen Rücksprachen mit dem JobCenter konnte ich das Praktikum beginnen.

Es war seltsam und zumeist unangenehm dort an diesem Tisch zu sitzen. Carsten zeigte mir morgens etwas womit ich mich dann den Tag über beschäftigte. Ich bekam Übungsaufgaben die ich umsetzen sollte. Gegen Feierabend wurden die Gespräche etwas lockerer und er begann von seinem Privatleben zu erzählen und mir fragen zu stellen.

Dabei bemerkte ich was ich kaum wahr haben wollte, dass er sich sogar physisch der Praktikantin immer weiter annäherte so dass er immer öfter während der Gespräche an meinem Schreibtisch stand.