Als ich es Leid war immer nur diese unrealistischen Romanzen mit unerreichbaren Frauen zu haben im Alter von 14 Jahren, wo Klassenkameraden in ihren ersten zwischenmenschlichen Erfahrungen steckten erfand ich eine Geschichte …
Ich zeigte meiner Klassenkameradin Anne ein Foto von meiner Tante Gaby. Das Bild zeigte eine junge hübsche Blondine, etwa im selben Alter, aber es war nur ein altes Foto aus den 80ern und in schwarzweiß. Wahrscheinlich war das offensichtlich. Aber ich tat so als wäre es so zeitlos wie ich es empfand. Sehr wahrscheinlich wahr ebenfalls offensichtlich, dass ich mir diese Geschichte ausgedacht habe, aber ich erzählte Anne das dies meine Freundin sei, mit der ich bisher nur Briefkontakt habe und ich dachte mir dabei, dass es so sein könnte, wenn ich derjenige wäre der hinter meinen Augen steckt. Es war in dieser Traumwelt die mir einzig realistisch zu sein schien aber unmöglich real sein konnte, möglich mir meine Freundin vorzustellen, aber mich nicht… Es war als konnte ich sie sehen, vor meinem geistigen Auge – aber mich nicht.
Inzwischen lebten wir mit Roland, dem neuen Freund meiner Mutter in einer 5-Raumwohnung im Wohngebiet „Stern“ an einem kleinen Waldstück. Die Gegend war eine große Bereicherung. Bin ich doch als Kind im Wald aufgewachsen, wo ich mich zwischen den Bäumen am wohlsten fühlte. Zur Schule war es aber nun ein weiterer Weg. Aus dem komfortablen Fußweg von 2,3 Minuten wurden etwa 30 Minuten Anreisezeit mit der Straßenbahn. Es waren fünf Stationen und ein längerer Fußweg. Eigentlich nicht viel, doch dieser neue Umstand verdeutlichte mir umso klarer wie wenig bis gar nicht sich der Aufwand lohnte dort hinzufahren. Ich tat es tagtäglich nur um mich der dort existenten Hölle auszusetzen. Einer Hölle, die eine andere war als die Zuhause und ab und zu ganz unterhaltsam. Doch ich kam immer öfter zu spät zum Unterricht und lies irgendwann bewusst die ersten beiden Stunden ausfallen und die letzten beiden meistens auch. Es ging nicht anders – ich brauchte die Zeit um klar zu kommen oder mich von den Strapazen zu erholen – in kleinen Zeitfenstern allein Zuhause. Oft saß ich vor meiner Schatzkiste in der ich Erinnerungsstücke aus der Welt der Materie sammelte. Es war eine alte Zigarrenkiste die im Deckel einen Spiegel enthielt. Das Spiegelbild das ich darin sah, gab mir die größten Rätsel auf, die ich nicht im Stande war zu beantworten. Immer wieder sah ich darin das was ich zu sein schien und fragte mich wie es sein kann und wie um alles in der Welt ich bloß jemals eine Frau werden soll.
Es wurde immer gruselige in der Schule, wo ich doch nun fast nur noch Willi hieß aber vom Lehrpersonal mit einem ganz befremdlichen Namen angesprochen wurde. Ich trug immer weitere Kleidung und kapselte mich so oft ich konnte mit meinem Walkman von der Aussenwelt ab – mit dieser Verband mich nicht mehr viel außer dass ich spürte wie unwohl ich mich darin fühlte. Seit Teo weg war, war ist irgendwie alles zusammen gebrochen, sogar unsere Freundschaft und ich träumte nur noch davon auch irgendwann „weg“ zu sein, wo auch immer das war. Ich ging immer öfter draußen allein spazieren. Manchmal ging ich zum Johannes Kepler Platz um Dana zu sehen – Ich wollte mich immer irgendwo verstecken – wo sie mich nicht sehen konnte aber ich sie. Ich wollte dort sein, nur um etwas sehen zu können das ich schön finde. Sie.
Dana war neben Blacky das erste reale Mädchen in das sich mein Innerstes verlieben konnte. Fast so wie es für Menschen üblich ist – nur mit dem Wissen um die Unlebbarkeit dieser Liebe. Und doch wünschte ich mir auf der zweiten Ferienlagerfahrt in Paris unter der Wunschbrücke nichts mehr als dass Dana meine Liebe in irgendeiner Weise erwidert als ich mit einem Laserpointer heimlich ein I LOVE YOU auf den Boden vor ihren Füßen platzierte, von irgendwo aus den hinteren Reihen. Die Fahrt war magisch auch wenn ich Dana nicht mal in die Augen sehen konnte. Es war einfach schön zu wissen, dass sie mit mir dort ist und das selbe schöne Licht vom Boot aus sieht. Dana war der Hauptgrund warum ich überhaupt mitgefahren bin, denn statt der coolen Anja von der ersten Reise war die zweite Begleitperson nun; meine Mutter! Peinliche und unangenehme Situationen waren also unvermeidbar, doch was tut man nicht alles für die Liebe dachte ich mir und ertrug die Umstände todesmutig. Es war mir vorher klar und es konnte nicht anders sein. Sie war zwar keine Schauspielerin aber die Ferienlagerbetreuerin war sicher auch kein gut gewähltes Ziel für mein junges verwirrtes Herz. Doch sie brachte mir gleich wieder dieses Funkeln so nah als ich ihre Augen zum ersten Mal wieder sah.
Doch nach dieser Fahrt waren die Gefühle in mir so deutlich, dass ich es nicht länger ertragen konnte, dieser halbwegs realen Person meine Empfindung zu verschweigen. Ich schrieb ihr in der letzten Nacht einen Liebesbrief, den ich dann ganz klein faltete und ihr zum Abschied unauffällig in die Hand drückte. Sie sah mich etwas erschrocken, fragend, mit großen Augen an – ich hätte nur dahin schmelzen können also sah ich sie nur traurig an und verschwand ohne ein Wort. Ich konnte mir auch nicht genau erklären was es war, doch auch diese Frau lies mir in der reinen Präsenz ihrer Energie so faszinierend, geheimnisvoll soviel von dem Raum den es für mich eigentlich nicht gab. Ich wusste es aber ich wollte es nicht wirklich glauben und verstehen. Also wartete und hoffte ich, in der Illusion sie könnte mir auch schreiben. Jedoch war das wohl definitiv zu viel verlangt. Wonach genau ich suchte und was genau ich glaubte zu wollen wusste ich nicht aber in mir war dieser so stark Wunsch danach mich einem anderen Wesen öffnen zu können. Ich dachte, wenn ich in mir und meiner inneren Welt diese Begleiterin doch irgendwie sehen und fühlen und wahrnehmen kann, dann muss es sie doch auch im Außen geben können… Denn dort fühlte ich mich allein und verdammt surreal, während mein Herz immer wusste, dass soviel mehr möglich wäre.
An einem Tag verbrachte ich sogar einen ganzen Nachmittag bei meiner Mutter im Büro, nur weil ich glaubte, Dana würde an diesem Tag dort hin kommen. Die Gefühle waren so zerreißend, dass ich sogar den Mut aufbrachte ihr gegenüber zu stehen. Doch Dana tauchte nicht auf. Stattdessen fand ich im Karteikartenregister des Büros die Adresse und die Telefonnummer von Dana heraus. Ich war glücklich mit dieser Beute. Nun hatte ich ihre Nummer und wagte es sie zu wählen. Doch am anderen Ende meldete sich nicht Dana sondern ein unbekannter Mann. Ich hoffte, ich hatte die Nummer einfach falsch notiert und gab mir Mühe den Vorfall zu verdrängen. Ich erinnerte mich daran diese Situation schon einmal genau so erlebt zu haben als ich die Nummer von Annette anrief und sich ein Mann meldete. Diesen nannte sie jedoch nur ihren Mitbewohner und ich hoffte dass es in diesem Fall eine ähnliche Erklärung gab.
Am 22. Oktober wählte ich nochmal die Nummer von Dana. Und es war wundervoll ihre Stimme zu hören als sie zweimal Hallo sagte. Doch dann legte sie auf. Fünf Minuten später klingelte das Telefon bei mir. Es war niemand zu hören. Ich glaubte, dass sie es war, dass sie zurückgerufen hat doch möglicherweise war mir nicht klar, dass unsere Telefonnummer bei Anrufen gesendet wurde. Immer wieder saß ich an der Haltestelle an der mein Bruder sie mal gesehen hatte. Doch als ich mich einmal mit Teo dort traf – tauchte Dana plötzlich auf, während ich allein bis dahin erfolglos war. Ich sah plötzlich, wie sie mich ansah und lächelte – doch ich erschreckte mich und sah weg, so als hätte ich sie gar nicht gesehen. Sie schlenderte einige Schritte in unsere Richtung. Dann drehte sie ab und verschwand, ich glaubte es lag an Teo. Zuhause hat mir meine Mutter dann mehr oder weniger aus Versehen ein blaues Auge gehauen. Ein Streit darüber wie ich mich ihr gegenüber ausdrücke und verhalte ist eskaliert. Abends kam sie dann an mein Bett um sich zu entschuldigen und zu fragen was denn mit mir los sei. In meiner Verzweiflung sagte ich dass ich doch allen egal bin und mich doch sowieso keiner versteht. Näher ausführen konnte ich diese Umschreibung nicht. Ich fühlte mich als hätte ich ein Geheimnis das ich verschweigen muss weil es so unerklärlich ist und jedes Wort was ich hätte sagen können, die Wahrheit nur noch mehr verfälscht hätte. Parallel dazu fragte ich mich inzwischen was dieses Gestalke soll, was ich da eigentlich mache und wohin es führen soll.
Doch dann kam der Tag an dem ich ahnungslos ans Telefon ging und plötzlich Dana dran war, die nach mir fragte, um sicher zu gehen, dass ich auch wirklich dran bin!? Sie sagte sie habe den Brief für einen Scherz von mir und Tiffy gehalten. Ich musste ihr sagen, dass dem nicht so war und sie dann sagte sie, wenn es kein Scherz war, würde sie sich gerne mit mir treffen. Dann sagte sie noch sie habe schon öfter versucht mich zu erreichen aber immer wieder aufgelegt wenn meine Mutter dran war.
Ich hatte ein Date in 6 Tagen und war euphorisch und aufgeregt. Am Tag der Verabredung stand in meinem Horoskop dass in der Liebe ein Wunder geschieht. Doch ich kaufte mir ein Fläschchen „Kleiner Feigling“ um mir Mut anzutrinken. Als ich das Lokal betrat bemerkte ich die romantische Atmosphäre, das angenehme Licht in dem Dana mit rötlich gefärbten Haaren in einem flauschigem Pullover saß an einem kleinen Tisch, der Stuhl gegenüber war leer. Meine Haare waren inzwischen schwarz gefärbt und ich trug ebenfalls einen Wollpullover. Nach kleinem Smalltalk wurde das Szenario zur grausamen Realität in der sie mir sagte, dass sie die Liebe nicht erwidern kann und in mir brach tatsächlich eine Welt zusammen.
Wieder hörte ich eine Frau sagen, wie mutig sie meine Liebeserklärung fände. Doch im Fall von Annette, war mir klar dass aus uns nie ein Paar werden könnte. Aber bei Dana sah und fühlte ich so viele kleine Zeichen, Blickkontakt, besondere Momente – energetisch eigentlich romantische Szenen in einer sehr schrägen Film. Nun musste ich mir eingestehen, dass ich mir nur vorgemacht und eingebildet habe, dass hinter den langen, tiefen und intensiven Blicken von Seele zu Seele nicht steckte was ich vermutete. Statt einer anderen Seele, die mich sieht wie ich wirklich bin erklärte mir die angehende Psychologin, dass sie Teenies wie mich gern beobachtete, zu Forschungszwecken, aus pädagogischer Sicht. Ich fühlte mich von Minute zu Minute immer schlechter und die Phasen in denen die Gespräche bedrückt verstummten wurden immer länger. Ich war selbst überrascht eine derartige Enttäuschung zu empfinden. Sie sagte sie habe von Anfang an bemerkt, dass ich irgendwie komisch war, doch konnte sich nie erklären warum. Zwischen durch lachten wir über belangloses aber zum Abschied fragte sie mich noch, ob ich mich sehr unwohl gefühlt habe. Das hat sie richtig beobachtet.
Ich habe ihr im Gespräch sogar gesagt, dass ich nicht lesbisch bin, worauf sie erstaunt reagierte. Ich starrte die meiste Zeit in die Flamme der Kerze auf dem Tisch und es tat weh dieser Frau in die Augen zu sehen. Ihren Blick konnte ich selten erwidern. Sie war eigentlich da um mit mir zu sprechen, vielleicht sogar um mir zu helfen doch ich kam nicht mit meinen Gefühlen zurecht und konnte sie selbst nicht verstehen und schon gar nicht erklären. Mein Herz brach in dieser Erfahrung zum ersten Mal ganz realistisch. Aber sie hat ihre Ehrlichsten Worte für mich aufgebracht, obwohl sie vielleicht auch nicht wusste was sie tun solle. Sie hat mir gesagt, dass sie es wichtig fand, auf mein Liebesgeständnis zu reagieren und wissen wollte wie es mir jetzt geht. Und nun stellte sie wohl erstaunt fest, dass ich plötzlich noch viel unglücklicher wirkte als zuvor. Ich fragte sie vor der Tür ob sie zur „After Holiday Party“ der Parisreisegruppe kommt. Daraufhin fragte sie ob ich denn dort hingehe. Als ich bejate sagte sie „dann würde sie auch kommen“
Eine Umarmung lies ich dann auch nicht zu, die hätte ich nicht ertragen, so gab ich ihr freundschaftlich und respektvoll die Hand bevor ich mit Tränen in den Augen, zwei Zigaretten rauchend auf den Heimweg ging. Mein illusionäres Kartenhaus ist zusammengebrochen und ich lies mich krank melden weil ich mich nicht in der Lage fühlte in die Schule zu gehen. Ich hatte erst recht keine Lust Anne oder Teo von diesem schrecklichen Treffen erzählen zu müssen. Vor allem Teo nicht weil ich ihr gegenüber geflunkert habe, dass Dana mir gesagt hätte, dass sie mich auch liebt, wir uns aber nicht wieder sehen dürfen und das wir uns zweimal geküsst haben. Ich fühlte mich Hundeelend, als Lügner und Loser, dem alles genommen wurde obwohl er niemals etwas hatte.
Ich dachte noch lange über diese seltsame Begegnung nach und wie es überhaupt dazu kam. Sie war doch eigentlich nur Ferienlagerbetreuerin aber ich war doch längst wieder Zuhause, doch es fühlte sich einfach nirgendwo so an. Es war eher, als wäre ich weggefahren und nie wieder gekommen. Als das Nachtreffen der Reisegruppe stattfand sagte meine Mutter, dass Dana ihre Teilnahme im Verein nicht bestätigt hat. Aber ich war ganz sicher, dass sie kommt, weil sie es mir versprochen hat.
Doch alles was wir sagten war Hallo und Tschüss – und als sie nach gerade mal einer Stunde schon wieder ihre Jacke anzog um zu gehen, sollte ich in diesem Moment auf ein Gruppenfoto und Lächeln, obwohl mir überhaupt gar nicht danach zumute war. Ich fühlte Dana’s mitleidigen Blick. Dann ging ich doch noch auf sie zu, als sie fast weg war und stand zum dritten Mal vor ihr um ihr die Hand zu geben. Ich wiederholte unbewusst die Szenerie des übergebenen Briefe zweimal. Vermutlich wiederholte ich auf diese Weise mein Liebesgeständnis mit unsichtbaren Briefen, die keine Worte enthielten. Nach diesem dritten Mal – wusste ich vielleicht, dass ich Dana nie wieder sehen würde, ich verschwand auf der Toilette und heulte. Danach betrank ich mich Zuhause mit Bowle, die von der Einweihungsparty übrig war, die am Wochenende vorher stattgefunden hat. In der folgenden Woche wurde ich dann wirklich krank und hatte schlimme Kopf- und Halsschmerzen. Ich spürte dass ich Dana für völlig ungewisse Zeit nicht wiedersehen werde und war todtraurig.
An Heiligabend überredete ich meine Familie in die Kirche zu gehen, da es doch ein kirchliches Fest sei, auch wenn wir gar nicht kirchlich waren. Wir gingen auch nicht in den Gottesdienst sondern wollten nur das Krippenspiel sehen. Doch dann wurde das Spiel unterbrochen weil eine alte Frau einen Herzinfakt bekam. Sanitäter kamen und das Erlebnis war ein umso Seltsameres. Ich glaubte sie ist gestorben während auf der Bühne der kleine Jesus geboren wurde.
Als wir dann Zuhause unter dem Weihnachtsbaum die Geschenke auspackten, bekam ich einen Discman und eine CD von den Toten Hosen … Dazu gab es noch einen Funkwecker, wahrscheinlich damit ich nicht mehr die Schule verschlafe und eine Fotobox zum einsortieren all der falschen Bilder. Für Annette, Dana und Teo habe ich am Abend eine Kerze angezündet und für sie gebetet. Im Geiste huldigte ich damit meiner Herzensfamilie während um mich nur Fremde waren in deren Familie ich hineingeboren war. Der Winter verging noch mit einem Skiurlaub, an dem ich wenigstens etwas Spaß hatte um über die traurige Geschichte mit Dana hinweg zu kommen.
Als wir zurück waren erzählte mir Teo ein dunkles Geheimnis aus ihrer Vergangenheit. Sie erzählte mir von einem Olaf in Neuruppin bei dem sie zuvor mit ihrer Cousine den Abend verbrachte und sagte dass er sie vergewaltigt habe nachdem die Cousine gegangen sei. Es sei schon vor einem Jahr geschehen und ich machte mir Vorwürfe es nicht bemerkt zu haben. Dann sagte sie mir, dass sie seit dieser Geschichte kein Interesse mehr an Jungs hat und sich schon länger fragt, ob Mädchen nicht auch interessant für sie sein könnte. Ich staunte sehr denn damit habe ich nie gerechnet. Ich dachte an Michael, der uns mal erzählt hat, dass er sich in einen Mann verliebt habe. Er wollte damit allerdings nur testen ob seine Freunde noch zu ihm halten, wenn er schwul ist.
Doch nun brachte mich Teo dazu mit ihr zusammen das „Homosexuellen Integrationsprojekt“ aufzusuchen. Dort sollte es eine Jugendgruppe geben und wir waren mindestens neugierig. Ich hatte die Hoffnung, dort andere Menschen zu treffen die mir irgendwie das Gefühl vermitteln konnten, nicht völlig falsch und allein auf diesem Planeten zu sein. Und tatsächlich waren die Jugendlichen in diesem Treff erfrischend anders als unsere Klassenkameraden, ohne das sich genau sagen lies warum, obwohl in den meisten Fällen die Homosexualität offensichtlich war. Die Jungs sahen schwul aus und die Mädchen lesbisch. Was das betrifft, brach die Erfahrung auf jeden Fall die Akzeptanzbegrenzung des eigenen Seins und ich gab mein Bestes in der Überzeugung, dass ich nun eben lesbisch bin und hatte für kurze Zeit das Gefühl, dass dieses Eingeständnis den Nebel lichten könnte.
Kurze Zeit später machten Teo und ich uns auf den Weg in die Busche, eine Disco für Schwule und Lesbenpartys in Berlin. Wir fuhren mit der S-Bahn in die Stadt und liefen die große Straße entlang. Doch die Lesbendisco fanden wir nicht, auch nicht als wir einen Passanten danach fragten. Auf dem Weg fiel mir auf, dass ich meine Zigarettenschachtel versehentlich weggeworfen habe obwohl sich darin mein 10 Euroschein befand, mit dem ich den Eintritt bezahlen wollte. Als wir ohne Party wieder bei Teo an der Haustür ankamen lag dort die Schachtel und es war sicher das Beste für uns die Party nicht gefunden zu haben. Eine gute Nachtreise hatten wir dennoch. Wir waren auf dem Kuhdamm, morgens um 5 noch bei McDonalds Eis essen und in der letzten Bahn sahen wir wie ein Penner eine schlafende Frau zeichnete, sogar ziemlich gut.
Weitere Wochen später überrollte mich dann die ungeahnte Unheilsbotschaft schlechthin. Ein weiterer Schock in meiner Geschichte war es, dass mir meine beste Freundin ihre Liebe gestand. Und obwohl ich keinerlei romantische Gefühle hatte, reagierte ich damit dass ich ihr sagte, dass ich sie auch liebe. Es war gewiss keine Lüge aber auch absolut nicht die ganze Wahrheit. Als wir uns dann küssten, fühlte es sich schon sehr falsch und unangenehm an und insgeheim wusste ich in jedem Moment, dass das auch gar nicht richtig ist. Wir taten kurze Zeit so als wären wir zusammen aber ich mir wurde mit jedem Tag klarer, dass es sich falsch anfühlt.
In der Schule ging ich inzwischen in die Internet AG, dort durften wir im Internet machen was wir wollten. Also verbrachten wir die Zeit auf Chatseiten. Dort lernte ich eine dreiundzwanzigjährige Julia aus München kennen, der ich von der Sache mit Teo erzählte. Sie riet mir dazu ihr die Wahrheit zu sagen.